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Loriot: Der Kunst-Pfeiffer

 
 

Keiner kann spießige deutsche Selbstdarstellung besser karikieren als Loriot. In seinem Trickfilm-Sketch Der Kunst-Pfeiffer sind zwei Männer zu sehen, der Moderator Herr Rösner und Herr Meckelreiter, der als Kunst-Pfeiffer vorgestellt wird. Schon die Reaktion von Herrn Meckelreiter, als der Moderator ihn nicht mit dem richtigen Begriff vorstellt, ist köstlich und zeigt, wie wichtig er sich nimmt.

Der Kunst-Pfeiffer erzählt von seiner Europa Tournee, die er, begleitet von niemand geringerem als den Berliner Philharmonikern unternimmt. Mit selbstgefälligem Gesicht lässt der Kunst-Pfeiffer den Moderator kaum zu Wort kommen, zu wichtig sind ihm seine eigenen Inhalte. So entsteht eine absurde Gesprächssituation, in der der Moderator seinem Gast immer wieder hinterher hinkt und seine Fragen gar nicht stellen kann.

Der glatzköpfige Kunst-Pfeiffer erklärt akribisch und mit lauter Stimme seinen künstlerischen Werdegang von den ersten Auftritten anlässlich einer Zuchtbullenversteigerung bis hin zu seinen heutigen Erfolgen. Sogar die englische Königin, die Uno und den obersten Sowjet habe er schon mit seinem Pfeifen beglückt, prahlt er.

Als der Moderator ihn bittet, eine kleine Kostprobe seiner Kunst vorzustellen, wird es richtig lustig. Herr Meckelreiter pfeift aus voller Seele und dem Moderator bleibt nichts anderes übrig, als immer wieder erstaunt und verwundert in die Kamera zu schielen. Vorsichtig weist er darauf hin, dass dieses Pfeifen doch keine Kunst sei, aber da dreht der Kunst-Pfeiffer erst richtig auf. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen.

Er betet seine Erfolge in beleidigter Manier wieder herunter wie schon zuvor, aber auch der Moderator lässt nun nicht locker und bezweifelt sehr, dass der Künstler mit seinen Auftritten vor großen Staatsleuten aufgetreten sei. Darauf beklagt Herr Meckelreiter, dass der Moderator wohl nichts von Kunst verstünde und sich daher auch kein fachmännisches Urteil erlauben könne. Und er fordert den Moderator nun seinerseits auf zu pfeifen, um sein Können zu zeigen. Mit den Worten ich höre lässt er Herrn Rösner vorpfeifen.

Herr Rösner, der sich eigentlich gar nicht darauf einlassen wollte, pfeift nun seinerseits, was sich ganz anders anhört als bei dem Künstler. Was nun folgt, ist ein Unterricht von Herrn Meckelreiter, der in seiner ganz speziellen Art vorpfeift und Herrn Rösner zwingt ihm nachzupfeifen. Er stellt dabei sein künstlerisches Gesamtkonzept der modernen Kompositionen weit über jede mögliche Kritik. Es sei eine Gewohnheitsfrage, wie man zeitgenössische Musik verstehen könne, und es sei nicht so leicht zu hören wie Schlagermusik, belehrt er den Moderator. Am Schluss des Sketches sieht man den Moderator, wie er versucht, die Töne des Meisters nachzupfeifen.

 
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Autor: Johanna Mahlberg
Gesprächswert: 90%